Panamakanal
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Panamakanal-Kreuzfahrt
mit der "Christal Symphony"

 

DER PANAMAKANAL

Einer der Höhepunkte bei einer Schifffahrt von Europa an die Westküste Südamerikas ist die Passage durch den Panamakanal. Pläne für den Bau eines Kanals zwischen dem Atlantik und dem Pazifik hatte es über Jahrhunderte gegeben, seine Vorteile lagen auf der Hand. Carlos V. von Spanien ordnete bereits 1534 eine Untersuchung dazu an; die Franzosen begannen 1880 mit dem Bau. Jedoch nach zehn Jahren gaben sie mehr oder weniger auf, denn das feucht-schwüle Klima begünstigte die Ausbreitung von Epidemien, an denen Tausende starben. Die USA witterten ihre Chance, kauften die Rechte am Kanalbau, und förderten nach besten Kräften die Unabhängigkeitsbewegung in Panama, das damals noch eine kolumbianische Provinz war. Die Amerikaner verhalfen den Einwohnern der Region so 1903 zu einer eigenen Republik. Von diesem Jahr an errichteten sie innerhalb von zehn Jahren den 80 Kilometer langen Kanal, der 1914 eröffnet wurde. Zu Spitzenzeiten waren 35.000 Bauarbeiter gleichzeitig beschäftigt. Insgesamt 17.000 Menschen sollen während dieser Bauzeit umgekommen sein. Seit Beginn des Jahres 2000 ist der Panamakanal offiziell alleiniger Besitz der Republik Panama und wird durch den Staat verwaltet. Internationale Handelsschiffe werden speziell im Hinblick auf die Kanalpassage gebaut. So hat die "Potrerillos", das Schiff, mit dem ich gefahren bin, bei einer Länge von 185 Metern und 45.000 Tonnen Gewicht eine Breite von 32,20 m - die Schleusenkammern im Panamakanal sind 33,5 m breit, 305 Meter lang und bis zu 26 m tief.

Schleusen um vier Uhr morgens

Wie sieht die Kanal-Passage konkret aus? Für die Fahrt von Cartagena in Kolumbien zum Hafen von Cristobal, kurz vor dem Kanal, vergeht etwa ein dreiviertel Tag. Die Schiffe liegen in der Bucht, im Hafen festgemacht wird aber nicht, so dass die Schiffsbesatzungen während der gesamten Passage nicht ein einziges Mal tatsächlich panamesischen Boden betreten. Mitarbeiter der Kanalbehörde und Lotsen kommen an Bord, begleitet von einer Gruppe von Männern, die für die Schleusenpassagen zuständig sind. In unserem Fall begann die Passage mitten in der Nacht, so dass ich um vier Uhr morgens geweckt wurde, um das Passieren der ersten Schleuse zu erleben. Drei jeweils zweispurige Schleusenpaare säumen den Weg, wobei diese aber keinen etwaigen Höhenunterschied zwischen dem Atlantik oder dem Pazifik überwinden sollen, denn diese befinden sich etwa auf gleicher Höhe. Vielmehr werden die Schiffe auf die Höhe des Gatunsees, eines Süßwassersees, angehoben, durch den der Kanal hindurch führt. Bei der Fahrt durch die Schleusen wird den Schiffen von elektrischen Lokomotiven, die durch Kabel an die Schiffe angeschlossen sind, geholfen. Je nach Größe kann ein Schiff vier bis acht Lokomotiven benötigen. Bei allem Hi-Tech ist aber nicht zu übersehen, dass sowohl die Lokomotiven als auch andere Bereiche der Anlagen eher alt und etwas hinfällig aussehen; ob das durch die Einwirkung des Klimas kommt oder schlicht aus Geldmangel resultiert - angeblich hat sich der Kanalbau erst vor wenigen Jahren wirklich amortisiert - sei dahingestellt. Behauptet wird übrigens, dass einige Krokodile im Kanal schwimmen; ansonsten ist die Landschaft von karibisch-tropischer Vegetation geprägt. Auf der Außenbrücke wird grundsätzlich für die Passage ein Sonnendach für den Kapitän und die Lotsen aufgebaut, dessen Nutzen der Autor aber bei einem durchweg bedeckten Himmel anzweifelte - und so total das Gesicht verbrannte. Der Kapitän muss während der gesamten Passage, die zwischen neun und 16 Stunden in Anspruch nimmt, auf der Brücke zugegen sein, wo auch seine Mahlzeiten hingebracht werden. Nicht zuletzt deswegen verfügt die Brücke über eine eigene Toilette, Spüle und Warmwasserkocher.

Behörden auf südamerikanisch

Rund 20 Männer werden von der Kanalbehörde an Bord jeden Schiffes gebracht, um bei der Durchfahrt durch die Schleusen zu helfen. Im wesentlichen beschränkt sich ihre Aufgabe auf das Verbinden und Ziehen von Befestigungskabeln. Dass dies eine interessante Lebensaufgabe wäre, kann man kaum sagen, aber es war dann doch erstaunlich, wie wenig Motivation die Leute an den Tag legten. Zwar bauen sie keine Verkaufsstände auf dem Deck auf um Uhren zu verkaufen, wie dies offensichtlich mit Händlern bei der Passage durch den Suezkanal der Fall ist. Dafür verkrümelte sich die Hälfte sofort zwischen den Containern, um dort Zeitung zu lesen, zu essen oder - kein Witz - bis zum Verlassen des Schiffes zu schlafen. Preis nach Gewicht "Billig" kommt den jeweiligen Schiffsbesitzern die Durchfahrt durch den Kanal nicht. Eine einfache Durchfahrt kostet durchschnittlich etwa 45.000 $, die vorher von dem hiesigen Schiffsmakler bei einer autorisierten Ortsbank in Panama bezahlt werden müssen. Den Rekord hält ein Frachtschiff, dass im Januar 1999 für die einmalige Passage 184.000 $ bezahlte; bezahlt wird laut der Gebührenliste für die sogenannte Panamakanal-Nettotonne. Richard Halliburton bezahlte hingegen nur 36 amerikanische Cents - er durchschwamm den Kanal innerhalb von zehn Tagen im August 1928

Innerhalb von 24 Stunden durchfahren etwa 36 Schiffe den Kanal. In Stoßzeiten, wie im Winter, zum Höhepunkt der US-Kreuzfahrtsaison, sind es maximal zehn mehr, mehr kann auch nicht bewältigt werden. Nach Einschätzung des Kapitäns meines Schiffes sind die Fahrten durch den Kanal dabei bürokratisch aufwändiger, als die gesamte restliche Fahrt, auch wenn inzwischen z.B. keinerlei Impfbescheinigungen mehr von den Behörden verlangt werden. Zu den Hauptprodukten, die den Kanal passieren, gehören Getreide, Erdöl und Nebenprodukte, und die Containerfracht. Ecuador steht nach Chile, Peru und den USA auf dem vierten Platz der Nationen, die den Panamakanal am meisten nutzen. 80 % aller Exporte des Landes gelangen auf dieser Route in die Welt, darunter natürlich auch vor allem die ecuadorianischen Bananen. Zum Schluss der Passage werden die Miraflores-Schleusen durchfahren. In unmittelbarer Reichweite liegt hier Panama-Stadt; von einer vor einigen Jahren errichteten Aussichtsplattform können Touristen vom Festland aus den Schleusvorgang beobachten. Endgültig beendet wird die Durchquerung in Richtung Pazifischer Ozean mit einer Fahrt unter der einzigen, den Kanal überspannenden Brücke hindurch, der "Brücke der Amerikas". Dies ist die Fortsetzung der amerikanischen Route 66, die durch Mexico und anschließend als "Panamericana" durch ganz Südamerika hin bis nach Tierra del Fuego (Feuerland) im Süden Chiles führt.

Autor: Michael Wiersing, Homepage: www.hu-berlin.de/presse/zeitung/02_03/num_1/extra.shtml der Humboldt-Universität Berlin

 

 

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